Unterwegs… oder Randnotizen zur Festivalsaison Sonntag, Sep 18 2016 

Sehr verehrtes Publikum! Sehr geehrte Damen und Herren!

Mitte August ist zwar die diesjährige Opernsaison des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten zu Ende gegangen, dennoch heißt es noch lange nicht, dass das Kleinste Opernhaus Österreichs unbespielt bliebe oder von einer gähnenden und lähmenden Leere bzw. einem vorgezogenen Winterschlaf heimgesucht worden wäre…

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© Stefan Häusler

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© Stefan Häusler

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© Stefan Häusler

Unser »verrückter« und keineswegs konventioneller, dennoch von unserem Publikum zumeist heiß geliebter und enthusiastisch gefeierter Don Pasquale weicht nun unserem Konzertzyklus »KonzertBlätter«, welcher nun zum zweiten Mal im Herbst stattfindet.

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Unter den Mitwirkenden unserer KonzertBlätter finden sich auch dieses Jahr großartige Interpretinnen und Interpreten der nationalen und internationalen Kunst- und Klassikszene.

Unsere Programmpalette weist traditionsgemäß ein sehr breites Spektrum auf, indem wir Ihnen neben der Epoche der Wiener Klassik (»Haydn erinnert sich…«) u.a. auch folgende Genres schmackhaft machen möchten: Kunstpfeifen (Concilium Musicum Wien), Kammermusik (Ventus Quintett Salzburg: »Rhapsody in Blue«) und Kinderoper (»Papageno im Wunderland«).

Während die Kirchstettner Konzertsaison 2016 erst demnächst startet, laufen bereits parallel die Planungen für die Opern- und Konzertsaison 2017…

(Welche grundlegenden Veränderungen das Festivaljahr 2017 zusätzlich mit sich bringen wird, darüber werden wir Sie zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls ausführlich und gesondert informieren.)

Dennoch möchten wir Ihnen an dieser Stelle nicht länger verschweigen, welches Stück nun als nächstes innerhalb des Kirchstettner Donizetti-Zyklus (L’elisir d’amore 2015; Don Pasquale 2016) im Sommer 2017 zur Aufführung gelangen soll: Unter der musikalischen Leitung von Maestro Hooman Khalatbari wird nächstes Jahr Donizettis Opéra comique La fille du régiment in der französischen Originalfassung gespielt werden.

Unser neues und belcantoerprobtes Opernorchester Virtuosi Brunenses wird ebenfalls erneut mit an Bord sein!

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Auch wenn Donizettis Regimentstochter in allererster Linie – leider auch heute noch – wegen ihrer gefürchteten, hohen und atemberaubend virtuosen Partien für Tenor (Tonio) und Koloratursopran (Marie) als Publikumsmagnet gilt, möchten wir sehr gerne unser neugieriges und interessiertes Publikum davon überzeugen, dass dieses beliebte Belcanto-Juwel weitaus mehr als nur stratosphärische Spitzentöne, halsbrecherische Koloraturkaskaden und Feuerwerk zu bieten hat…

Alfredo Kraus, Luciano Pavarotti [!], Raúl Giménez oder gegenwärtig etwa Juan Diego Florez, Lawrence Brownlee und Javier Camarena allesamt extrem höhen- und stilsichere, weltweit gefeierte Tonio-Interpreten, haben es geschafft, diese Rolle zu einer ihrer persönlichen Visitenkarte zu machen.

In der weiblichen Hauptpartie der Marie – sowohl auf der Bühne, als auch teilweise sogar auf Tonträgern, vermochten solche Belcanto-erfahrenen und unvergesslichen Stars der internationalen Opernszene wie beispielsweise Joan Sutherland, Beverly Sills, Anna Moffo, Edita GruberováJune Anderson und in der jüngeren Vergangenheit bzw. Gegenwart Natalie Dessay, Patrizia Ciofi, L’ubica Vargicová, Diana Damrau, sowie auch die junge österreichische Koloratursoubrette Daniela Fally stets zu bestechen.

Opernstars dieses Kalibers waren scheinbar mehrfach der einzig [?] nachvollziehbare Grund, Donizettis Regimentstochter in regelmäßigen Abständen auszugraben…

Spitzentöne hin, Kehlkopfakrobatik her, Donizettis Meisterwerk darf keineswegs ausschließlich nur auf diese – zugegebenermaßen – unerlässlichen Zutaten des italienischen Belcanto degradiert werden, denn dieses Werk bietet zudem jede Menge Spielwitz und Situationskomik.

Nicht nur der dramaturgische Höhepunkt der Oper, die sog. »Gesangsstunde«, sondern allein auch schon die Besetzung der (dankbaren) Kabinettrolle der Duchesse de Crakentorp bietet enorme Spielmöglichkeiten und vielschichtige Interpretationsflächen…

Lassen Sie sich einfach überraschen! J

Das Team des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten freut sich jetzt schon auf die zahlreichen interessanten Bewerbungen und das anschließende Vorsingen, welches noch in diesem Jahr stattfinden wird.

 

Über die Besetzung der Opernproduktion 2017 werden wir Sie spätestens im Frühjahr 2017 ebenfalls gesondert und detailliert informieren, während wir unser Konzertprogramm für das nächste Jahr bereits in diesem Herbst bekanntgeben werden.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen erstmal eine wunderbare und abwechslungsreiche Kirchstettner Konzertsaison – KonzertBlätter 2016 und Gute Unterhaltung!

Herzlichst

Ihr KlassikFestival Schloss Kirchstetten-Team

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Leszek Solarski – Don Pasquale Samstag, Jul 30 2016 

1., Was bedeutet es für mich, Belcanto-Partien zu singen…? Leszek_Portrait_SW

…. dass ich wieder Freude auf der Bühne habe.

2., Donizettis »Don Pasquale« finde ich…

… eine comedy show für 4 Personen. In welchem Publikum und Sänger gleich viel Spaß haben.

3., Wie würde ich meine Partie in »Don Pasquale« kurz charakterisieren?

I Love it! Viel zu singen, viel zu spielen und fast ganze Zeit auf der Bühne. Perfekte Partie zum Abnehmen 😉

4., Welche anderen Belcanto-Partien habe ich bereits gesungen bzw. welche singe ich aktuell?

Bisher keine.

5., Welche Belcanto-Partien werde bzw. möchte ich künftig unbedingt meinem Repertoire hinzufügen?

Donizetti, Pucini, Bellini sind wunderbar, aber ein Traum wäre die Partie des Wotan aus Wagner „Der Ring des Nibelungen“ zu singen.

Rodica Vica – Norina Freitag, Jul 29 2016 

1., Was bedeutet es für mich, Belcanto-Partien zu singen…? 

(c) Rodica Vica

(c) Rodica Vica

Aus Leidenschaft und grosse Interesse für den Belcantostil, um es besser zu verstehen und singen, entstand die Idee, meine Wissenschaftliche Doktorarbeit dem Barokstil zu widmen, die Quelle der „schöner Gesang“. So habe ich die weniger bekannten Grundkenntnisse der Phrasierung, Dosierung, Artikulation und Dynamik entdeckt und in meine Interpretation ausgeführt.

 2., Donizettis »Don Pasquale« finde ich…

My favorite belcanto opera!

3., Wie würde ich meine Partie in »Don Pasquale« kurz charakterisieren?

A complex palette of moods and reactions, spontaneous or premeditated, simply a joy to perform this role and to discover these states of mind on myself.

4., Welche anderen Belcanto-Partien habe ich bereits gesungen bzw. welche singe ich aktuell?

Rosina (Il Barbiere di Siviglia), Rita (Rita), Norina (Don Pasquale), Lucrezia Borgia (Lucrezia Borgia), Clorina (La Cenerentola), Adina (L’elisir d’amore)

5., Welche Belcanto-Partien werde bzw. möchte ich künftig unbedingt meinem Repertoire hinzufügen?

Lucia (Lucia di Lammermoor), Violetta Valery (La Traviata)

Suche oder Sucht?! Montag, Jul 18 2016 

Es ist wieder Opernzeit und für mich heisst das, in eine Welt der Fantasie einzutauchen. IMG_7585

Als ich vor drei Jahren „Don Giovanni“ ausstatten durfte, habe ich mich so lange mit überdimensionalen Spielkarten beschäftigt, sie gestaltet, gezeichnet, gemalt. So lange, dass ich erst jetzt wieder Lust verspürt habe Karten zu spielen… Letztes Jahr, dank „L’Elisir d’amore“ und meinem Regisseur, hatte ich während der Ausstattung des Kirchstettener Schlosses und auch zuvor und danach, die Möglichkeit viele Elixiere zu kosten, was sich natürlich angeboten hat, weil sich Kirchstetten im Weinviertel befindet und sich eignet eben hervorragend für Verköstigungen dieser Art.

Dieses Jahr nun wollen wir „Don Pasquale“ in einem Kurort aufführen. Ich war nie in einem Kurort und fragte daher meine 94-jährige Tante um Hilfe. Sie frequentierte bis vor kurzem begeistert (deswegen ist sie noch so in Form) solche Orte und sie erzählte mir, dass man insbesondere kuren geht um sich zu amüsieren… nebst dem um zu „kuren“! Natürlich habe mich entschieden, selber eine Kurwoche auszuprobieren und bin mit meiner Schulkameradin an einen solchen Ort gereist. Und wie meine Tante empfohlen hat, kosteten wir vom ganzen Wasser-Schlamm-Fasten-Kurprogramm  –   und haben uns so prächtig amüsiert, so dass wir am Schluss noch eine Woche gebraucht hätten, um uns vom Kuren zu erholen… Dieses Vergnügen und solche Freude möchte ich in Schloss Kirchstetten, zwar ohne Schlamm, Wasser und Fasten, dafür aber mit viel Lachen hervorzaubern. Was versuchen meine Krankenschwestern mit ihrem blauen Kreuz zu lindern? Don Pasquales Suche, seine Sucht oder seine Sehnsucht?

Kommt zahlreich in unseren Kurort Schloss Kirchstetten im Weinviertel und ihr werdet es erfahren!

 

Gianpiera Bühlmann, Kostüme & Ausstattung

UNSER DON PASQUALE WIRD VORGESTELLT! Donnerstag, Mai 12 2016 

EINSPRINGER GESUCHT – EINSPRINGER GEFUNDEN ODER DER NORMALE ALLTAGSWAHNSINN EINES OPERNFESTIVALS…

UNSER DON PASQUALE WIRD VORGESTELLT!

 Sehr geehrte Damen und Herren! Verehrtes Opernpublikum!

Das gesamte Team des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten freut sich sehr, Ihnen nun endlich unseren neuen Don Pasquale-Sänger und großartigen Einspringer, den jungen, wandlungsfähigen und äußerst spielfreudigen polnischen Bassisten Leszek Solarski vorzustellen!

Leszek debütierte bereits 2013 in der Partie des Leporello in W.A. Mozarts »Don Giovanni« beim KlassikFestival Schloss Kirchstetten und verbuchte bei jener Aufführungsserie einen großen persönlichen Erfolg.

 

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Dass Leszek sich bereit erklärt hat, so kurzfristig für unsere Produktion einzuspringen, zeugt nicht nur von seiner Flexibilität, sondern auch von seiner uneingeschränkten Professionalität und Kollegialität, zumal sich der andere geschätzte Kirchstetten-erprobte junge Sänger, den wir ursprünglich als Don Pasquale besetzt hatten, bedauerlicherweise aufgrund von schwerwiegenden Umständen in seinem privaten Umfeld plötzlich und unvorhersehbar von unserer geplanten Produktion zurückziehen musste…

Nach dieser schwierigen, dennoch absolut nachvollziehbaren Absage des Sängers begann die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Titelrolle unserer Produktion…

Ein Unterfangen der ganz speziellen Sorte, da jeder, der mit Musiktheater im Allgemeinen zu tun hat weiß, dass Bässe seit Langem als Mangelware gelten und gute Bässe, die noch dazu die nötige Spielfreude, Wendigkeit und Aufgeschlossenheit mitbringen, geradezu als Rarität anzusehen sind… Umso mehr freut es uns, in Leszek nun einen Interpreten gefunden zu haben, der über die vorhin aufgezählten Attribute hinaus auch ein Höchstmaß an Kollegialität, Zuverlässigkeit und jede Menge Spielwitz bzw. Humor mitbringt.

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© Foto: Leszek Solarski // Dawid Kozlowski

 Freuen Sie sich mit uns zusammen auf das Kirchstettner Comeback eines beliebten jungen Künstlers, der ganz sicher auch zur Freude unseres geschätzten Publikums eine komplett neue und atypische Don Pasquale-Interpretation – fernab von jeglichen Rollenklischees, eingerosteten Traditionen und festgefahrenen Erwartungshaltungen – verkörpern und abliefern wird!

(Cs.N.)

 

Das Opernensemble 2016 wird vorgestellt Donnerstag, Apr 14 2016 

Das lange Warten auf die Veröffentlichung der diesjährigen Opernbesetzung des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten hatte noch vor Ostern ein Ende…

Es ist nun an der Zeit, unserem Publikum auch das Ensemble vorzustellen. Nach der erfolgreichen Neupositionierung und Etablierung des Festivals 2015 als Belcanto-Opernfestival im Kleinsten Opernhaus Österreichs setzen wir dieses Jahr unseren aktuellen »Donizetti-Zyklus« mit der witzigen und spritzigen Opera buffa Don Pasquale in internationaler Besetzung fort.

Jedes ernstzunehmende Festival und sogar jede temporäre Opernbühne bemüht sich um eine stetige Qualitätssteigerung – ein konstantes Bemühen, welches auch ein fixer Bestandteil der Kirchstettner Agenda ist: Zu dieser besagten Qualitätssteigerung trägt vielerorts auch ein homogenes und konstantes Ensemble maßgeblich bei – bestehend aus (zumeist jungen!) Künstlerpersönlichkeiten, die durch ihre Mitwirkung bzw. Auftritte zurecht für enthusiastischen und wiederkehrenden Publikumszuspruch sorgten bzw. sorgen!

Kein Opernfestival kann auf seine Stars verzichten!

Im Sinne der obigen Qualitätssteigerung unseres Festivals sei an erster Stelle erwähnt, dass wir ab diesem Sommer unter der Leitung von Hooman Khalatbari ein neues, fixes und v.a. hochprofessionelles Opernorchester inkl. Belcanto-Erfahrung (!) engagieren konnten. Wir dürfen Ihnen hiermit nun das Ensemble The Virtuosi Brunenses als neues und fixes Opernorchester des Kirchstettner Belcanto-Opernfestivals präsentieren.

Die Chorpartie in der Oper wird auch dieses Jahr von den hochkarätigen und besonders spielfreudigen Mitgliedern des Wiener Kammerchors – unter Einstudierung von Gerhard Eidher –  übernommen; eine jahrelange fruchtbare und großartige Kooperation, worüber wir uns ganz besonders freuen!

Unter den diesjährigen SolistInnen des Opernensembles finden sich – gemäß einer mittlerweile auch als Kirchstettner Ensemblepflege zu betrachtenden Tradition – vorwiegend solche (junge) Sängerpersönlichkeiten, die in den vergangenen Jahren stets für Furore sorgten!

Wieder in einer Dr.-Rolle, diesmal aber als schelmischer Drahtzieher und Mediziner Dr. Malatesta und nicht als Jurist [Anm. Dr. Falke in Die Fledermaus; KlassikFestival Schloss Kirchstetten 2011] kehrt der deutsche Lyrische Bariton, Mark Zimmermann – nach erfolgreichen bisherigen Engagements als Dr. Falke, sowie als Konzertsolist – nun in einer vollständigen Opernrolle nach Kirchstetten zurück.

(c) Mark Zimmermann

(c) Mark Zimmermann

In der Partie des Ernesto dürfen wir Sie an dieser Stelle auf den deutschen, international gefragten (u.a. Staatsoper unter den Linden Berlin, Komische Oper Berlin, Staatstheater am Gärtnerplatz München und Salzburger Festspiele etc.) und Belcanto-erfahrenen Lyrischen Tenor, Miloš Bulajić aufmerksam machen, der dieses Jahr mit einer seiner zahlreichen musikalischen Belcanto-Visitenkarten sein Debut beim KlassikFestival Schloss Kirchstetten geben wird.

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(c) Miloš Bulajić

Einen überregionalen Erfolg und großen Publikumszuspruch konnte die rumänische dramatische Koloratursopranistin, Rodica Vica in unserer Don Giovanni-Produktion (2014) als hochdramatisch-expressive und koloraturgewandte Donna Anna verbuchen. Diesmal wird sie sich aber unserem Publikum von einer ganz anderen Seite präsentieren, indem sie die kapriziöse, temperamentvolle und verspielte Norina auf der Bühne darstellt – eine Partie, die sie bereits mehrmals an der Seite von internationalen Opernstars erfolgreich verkörpern durfte!

(c) Rodica Vica

(c) Rodica Vica

Nun stellt sich die legitime Frage nach unserem Titelhelden, den wir weder vergessen haben, noch Ihnen vorenthalten wollen: Bitte folgen Sie weiterhin unserem Blog, da unser Don Pasquale-Sänger in Kürze einen eigenen Blog-Eintrag gewidmet bekommen wird…  🙂

Die Donizetti’sche buffa nach traditioneller italienischer Operndramaturgie: Lyrischer Tenor liebt Lyrischen Koloratursopran – Buffobass versucht dies mit aller Macht zu verhindern – Lyrischer Bariton [Anm. diesmal KEIN Gegner des Tenors!] und vermeintlich wohlwollender Freund des Bassisten verhilft dem jungen Paar doch zu seinem Glück… wird dieses Jahr erneut frech, innovativ und publikumsbezogen von Csaba Némedi (Regie) und Gianpiera Bühlmann (Ausstattung) szenisch umgesetzt…

Das Leading team wird auch dieses Jahr durch zwei großartige und langjährige Mitarbeiterinnen des Festivals: Patricia Lehner (Maske) und Etelka Polgár (Regieassistenz und Abendspielleitung) dankenswerterweise komplettiert.

Cs.N.

WINTERZEIT, BELCANTO-DIVEN UND KLASSIK-DISCO (Teil 2) Mittwoch, Nov 4 2015 

Die 1994 entstandene Studioaufnahme der Plattenfirma RCA / Sony Music (Katalognummer: 88697856542) unter dem Dirigat von Roberto Abbado ist nicht nur die jüngste Einspielung in dieser Aufzählung, sondern sie verfügt über eine Besetzung, deren Mitwirkende teilweise auch heute noch zu den aktiven Bühnenstars der internationalen Opernszene zählen! Insbesondere die tiefen männlichen Partien wurden hier mit erstklassigen Kräften besetzt: So erlebt man den großartigen italienischen Bariton, Renato Bruson in der Titelpartie und den stets elegant klingenden und stilsicheren Thomas Allen als Dottore Malatesta. Der zum Zeitpunkt der Aufnahme noch sehr junge Tenor Frank Lopardo zählt zweifelsohne auch heute noch zu den gefragtesten Tenorsolisten der MET in Bezug auf das lyrische Fach. Ebenfalls eine damalige talentierte und junge »Opernnovizin« der Szene bekam die Möglichkeit, sich an der Seite dieser vornehmen Gesellschaft von Herren als Norina zu präsentieren – Eva Mei, die ab den frühen 90ern des vergangenen Jahrhunderts, in der berühmten Ära des Intendanten Alexander Pereira, neben Elena Mosuc, Isabell Rey und Malin Hartelius nicht nur zu den berühmtesten und weltweit gefragtesten Sopransolistinnen des Opernhauses Zürich gehörte, sondern parallel verlaufend auch eine beachtlichte internationale Karriere aufweisen konnte. Die ansonsten stets stilsichere und intensiv agierende Sängerin bietet als Norina zwar eine solide Leistung, jedoch ohne den primär soubrettig angelegten Rahmen des Charakters sprengen oder diesen neu definieren zu wollen und erreicht somit keineswegs jene Intensität, zu welcher sie sonst etwa bei Liveauftritten zumeist imstande gewesen ist…

 

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(c) RCA / Sony Music

 

Nicht nur Weltstars vom Format einer Anna Netrebko oder in der Vergangenheit einer Beverly Sills, Lucia Popp und zuletzt Eva Mei feierten große Erfolge als Norina, sondern auch junge und aufstrebende Künstlerinnen der Opernszene treten in dieser vielschichtigen, virtuosen und dankbaren Opernpartie in Erscheinung. Eine dieser jungen und erfolgreichen Sängerinnen ist die junge rumänische dramatische Koloratursopranistin, Rodica Vica, die beim KlassikFestival Schloss Kirchstetten bereits als Donna Anna (2014) sowie auch als Konzertsolistin (2015) schöne persönliche Erfolge feiern konnte. Auf dem beiliegenden Livemitschnitt aus Bukarest (konzertante Aufführung) ist sie an der Seite des jungen, berühmten rumänischen Rossini-Tenors, Bogdan Mihai zu erleben.

Gute Unterhaltung und kuschelige Opernabende auch bei Ihnen zu Hause, liebes (künftiges) Publikum des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten! 🙂

(Cs.N.)

WINTERZEIT, BELCANTO-DIVEN UND KLASSIK-DISCO (Teil 1) Sonntag, Nov 1 2015 

Kaum haben wir nun die aktuelle Zeitumstellung auf Winterzeit samt obligatorischem und lästigem »Mini-Jetlag« hinter uns gebracht, wird es uns einmal mehr klar, dass die Tage wieder kürzer, während die Nächte wesentlich länger werden… Was wäre also ein angenehmerer und schönerer Zeitvertreib an diesen langen und dunklen Abenden, als dass man sich in der gemütlich-warmen Wohnung mal zurücklehnt und je nach Lust und Laune bei einer Tasse heißem Tee oder einem Glas Rotwein ein bißchen klassische Musik gönnt…(?)

Lassen Sie uns nun einen kurzen und zugegebenermaßen sehr subjektiven Blick auf die Besetzungen der absolut reichhaltigen und vielschichtigen Diskographie der allseits beliebten Donizetti-Buffa Don Pasquale werfen – allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn dies würde schlicht und einfach den Rahmen eines normalen Blogeintrags in vielerlei Hinsicht sprengen! Aus diesem Grund seien die folgenden Passagen weder als detaillierte Opernkritik, noch als klare Kaufempfehlungen zu verstehen. Es sind lediglich die subjektiven Eindrücke und privaten Hörerlebnisse des Opernregisseurs, der für das KlassikFestival Schloss Kirchstetten 2016 – nach L’elisir d’amore als Bestandteil des Kirchstettner »Donizetti-Zyklus« – nun auch Don Pasquale erarbeiten darf. (Die dankbaren und berühmten Gesangspartien dieser entzückenden Oper dürfen beinahe aus keiner einzigen Repertoireliste führender Opernstars fehlen – so dass es einen keineswegs wundert, dass selbst Weltstars wie beispielsweise Anna Netrebko noch vor nicht allzu langer Zeit – in der Partie der Norina – wie ein temperamentvoller Wirbelsturm voller Witz und Spielfreude über die große Bühne der New Yorker MET, in der Inszenierung des Regiealtmeisters Otto Schenk, fegte…)

Wenn man die von mir ausgesuchten Aufnahmen in chronologischer Reihenfolge unter die Lupe nehmen möchte, so wird diese Reihe, von einer Aufnahme der Firma EMI (Katalognummer: 7243 5 66030 2 8) unter dem Dirigat der zwar als besonders streng geltenden, jedoch erfolgreichen und Belcanto-erfahrenen US-amerikanischen Dirigentin, Sarah Caldwell angeführt. Caldwells Ensemble lässt sich wie eine Art »Who’s who in Opera« lesen! In der Partie der kapriziös, temperamentvoll und schelmischen Norina ist hier keine geringere als »America’s Operatic Sweetheart« Beverly Sills zu hören.

Beverly Sills fügte zwar die Partie der Norina erst recht spät (1978) ihrer Operndiskographie hinzu, also erst ein paar Jahre vor ihrem eigentlichen Rückzug von der Bühne, dennoch liefert sie hier eine Leistung, die man von ihr – als ausgewiesene und weltweit zurecht gefeierte Interpretin der großen Belcanto-Primadonnenpartien – zurecht erwarten kann bzw. konnte. Als Sills’ besonders große Stärken sind hier u.a. ihr Spielwitz, Temperament und Enthusiasmus zu bewundern. Eine charmante und reife Belcantoprimadonna, die es am Ende ihrer Karriere hörbar genossen hat, nach all den ganzen tragischen und »wahnsinnigen« Belcantoheldinnen, endlich einen dermaßen dankbaren und witzigen Charakter verkörpern zu können! Sills’ Partner in dieser temperamentvollen Einspielung sind Donald Gramm (Don Pasquale) – die Karriere des US-amerikanischen Bassbaritons beschränkte sich, trotz großer Erfolge u.a. an der MET, lediglich auf die USA. In der Partie des Dottore Malatesta erlebt man den damals blutjungen Alan Titus. Der junge Bariton wurde in seinen Anfängen von Beverly Sills besonders gefördert. Der hier noch recht hell und tenoral klingende junge Sänger, konnte später nicht nur mit einer weltweiten Karriere aufwarten, sondern er hat sich im späteren Verlauf sogar auch die großen (deutschen) Heldenbariton-Partien von R. Wagner und R. Strauss erarbeiten können und auch mit diesen große Erfolge feiern können. Einen echten Co-Star listet diese Aufnahme jedoch in der Partie des Ernesto, indem man Alfredo Kraus am Zenit seiner Karriere für diese Einspielung verpflichten konnte. Kraus als führender Belcanto-Spezialist seiner Generation liefert hier selbstverständlich eine perfekte Belcanto-Darbietung ab. Etwas mehr Temperament – angesichts des Energie- und Temperamentbündels namens Beverly Sills – hätte ihm aber sicherlich nicht geschadet…

 

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(c) EMI-CD

 

Gerade ein Jahr später (1979) nach der obigen EMI-Aufnahme entstand in den Studios des Bayerischen Rundfunks für die Plattenfirma BMG / RCA (Eurodisc / Katalognummer: 352 884) unter dem Dirigat von Heinz Wallberg die wohl unorthodoxeste Einspielung von Don Pasquale! Die hochkarätige Besetzung listet aber die größten und wichtigsten Opernstars der 1970 – 90er Jahre: allesamt Opernstars noch im schönsten, echten und unveränderten Sinne dieses mittlerweile leider oftmals devalvierten Prädikats, also fernab von jeglicher medialer PR-Hysterie und aggressivem Hype restlicher Plattenfirmen… Warum diese Operneinspielung unter den Belcanto-Opernaufnahmen eher als unorthodox anzusehen ist, erklärt sich anhand der Besetzung: Ewgenij Nesterenko (Don Pasquale) der weltweit gefeierte seriöse Bass galt während seiner Bühnenkarriere in erster Linie als einer der besten Interpreten div. Verdi-Basspartien, sowie auch des seriös-dramatischen slawischen Repertoires. Der vielseitige Bariton Bernd Weikl – hier als schelmische Luxusbesetzung des Dottore Malatesta zu hören – zählte während seiner aktiven Laufbahn insbesondere zu den gefragtesten Interpreten des deutschen Fachs sowohl auf der Bühne, als auch im Konzertsaal – etwa auf dem Gebiet des Lied- und Oratoriumgesangs. Mit Francisco Araiza erlebt man jedoch auch hier den führenden Belcanto-Tenor seiner Generation! Obwohl Araiza seine größten Erfolge als Rossini-Tenor gefeiert hat, lag ihm auch die Partie des Ernesto natürlich ganz hervorragend. Die größte Überraschung dieser Besetzung dürfte wohl Lucia Popp als Norina darstellen! Obwohl die viel zu früh verstorbene und äußerst beliebte Sängerin während ihrer gesamten Karriere stets genreübergreifend (Oper, Operette, Lied- und Oratorium bzw. sogar auch div. Filmrollen!) tätig war, entstand diese Aufnahme jedoch in einer Phase ihrer Karriere, in welcher sie sich bereits von den Bravourkoloratursopran- (Stichwort: Königin der Nacht) und den Koloratursoubretten-Partien (etwa Adele und Oscar) erfolgreich verabschiedet hatte und sich nach diesem ersten gelungenen Fachwechsel vorwiegend den großen lyrischen Partien W.A. Mozarts und R. Strauss’ gewidmet hatte. Lucia Popps rundere, wärmere und lyrisch fundierte Stimme blüht, funkelt und leuchtet in den Läufen der Norina regelrecht auf. Sie verzichtet zwar auf wahnwitzige Extrakadenzen und interpolierte Spitzentöne in stratosphärischer Lage, dennoch erlebt hier der Zuhörer eine vollwertige, kapriziös-temperamentvolle und v.a. eine sehr liebenswürdige Interpretation der Norina, welche erfrischend verspielt, frech, selbstbewußt und weiblich-sinnlich klingt – im Gegensatz zu den zahlreichen anderen zu leicht gewichtig, klebrig honigsüß und soubrettig klingenden Rollenvertreterinnen bzw. lieblosen Standardbesetzungen…

 

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(c) BMG / RCA Eurodisc

Matthew Peña – Nemorino, junger Bauer Dienstag, Jul 28 2015 

1., Was bedeutet es für mich, Belcanto-Partien zu singen…? 

Legato, breath control, flexibility, sensitivity, passion and a wide vocal range.

© Foto: Matthew Peña

© Foto: Matthew Peña

2., Donizettis L‘ elisir d‘ amore finde ich…

One of my favorite Belcanto operas and a priviledge to sing.

3., Wie würde ich meine Partie in L‘ elisir d‘ amore kurz charakterisieren?

The operatic version of Steve Carrell in the film, „The Forty Year Old Virgin“ (German version: „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ )

4., Welche andere Belcanto-Partien habe ich bereits gesungen bzw. welche singe ich aktuell?

I’ve covered a few roles, but this is the first full belcanto role I’ve performed

5., Welche Belcanto-Partien werde bzw. möchte ich künftig unbedingt meinem Repertoire hinzufügen?

Why do you ask? Do you know someone looking for a tenor?

Ulf Bunde – Dulcamara, Quacksalber Mittwoch, Jul 15 2015 

© Foto: Ulf Bunde / Hausrugger Photography & Design Thinking

© Foto: Ulf Bunde / Hausrugger Photography & Design Thinking

1., Was bedeutet es für mich, Belcanto-Partien zu singen…? 

Eine Wohltat für die Stimme.

2., Donizettis L‘ elisir d‘ amore finde ich…

Ein Meisterstück, ausgewogen in der Konzeption, witzig, tiefgehend. Die Liebe sezierend.

3., Wie würde ich meine Partie in L‘ elisir d‘ amore kurz charakterisieren?

Dulcamara versteht es, zu leben, zu überleben, sich zu verkaufen, zu geniessen, jeden Augenblick für sich zu nutzen. Er kommt rum, hat schon Einiges gesehen und erlebt. Ist abgebrüht, versteht die Menschen und wie sie ticken, ist manchmal ein wenig zu sehr von sich eingenommen. Und manchmal ist er von seinen eigenen Produkten ein wenig zu sehr geblendet. 

4., Welche andere Belcanto-Partien habe ich bereits gesungen bzw. welche singe ich aktuell?

Neben der wunderbaren Petite messe solennelle von Rossini habe ich bereits Enrico in Donizettis „Lucia di Lammermoor“ gesungen. 

5., Welche Belcanto-Partien werde bzw. möchte ich künftig unbedingt meinem Repertoire hinzufügen?

Interesse hätte ich beispielsweise am Mustafa in der „Italienerin in Algier“ von Rossini.

Ulf Bunde

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