UNSER DON PASQUALE WIRD VORGESTELLT! Donnerstag, Mai 12 2016 

EINSPRINGER GESUCHT – EINSPRINGER GEFUNDEN ODER DER NORMALE ALLTAGSWAHNSINN EINES OPERNFESTIVALS…

UNSER DON PASQUALE WIRD VORGESTELLT!

 Sehr geehrte Damen und Herren! Verehrtes Opernpublikum!

Das gesamte Team des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten freut sich sehr, Ihnen nun endlich unseren neuen Don Pasquale-Sänger und großartigen Einspringer, den jungen, wandlungsfähigen und äußerst spielfreudigen polnischen Bassisten Leszek Solarski vorzustellen!

Leszek debütierte bereits 2013 in der Partie des Leporello in W.A. Mozarts »Don Giovanni« beim KlassikFestival Schloss Kirchstetten und verbuchte bei jener Aufführungsserie einen großen persönlichen Erfolg.

 

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Dass Leszek sich bereit erklärt hat, so kurzfristig für unsere Produktion einzuspringen, zeugt nicht nur von seiner Flexibilität, sondern auch von seiner uneingeschränkten Professionalität und Kollegialität, zumal sich der andere geschätzte Kirchstetten-erprobte junge Sänger, den wir ursprünglich als Don Pasquale besetzt hatten, bedauerlicherweise aufgrund von schwerwiegenden Umständen in seinem privaten Umfeld plötzlich und unvorhersehbar von unserer geplanten Produktion zurückziehen musste…

Nach dieser schwierigen, dennoch absolut nachvollziehbaren Absage des Sängers begann die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Titelrolle unserer Produktion…

Ein Unterfangen der ganz speziellen Sorte, da jeder, der mit Musiktheater im Allgemeinen zu tun hat weiß, dass Bässe seit Langem als Mangelware gelten und gute Bässe, die noch dazu die nötige Spielfreude, Wendigkeit und Aufgeschlossenheit mitbringen, geradezu als Rarität anzusehen sind… Umso mehr freut es uns, in Leszek nun einen Interpreten gefunden zu haben, der über die vorhin aufgezählten Attribute hinaus auch ein Höchstmaß an Kollegialität, Zuverlässigkeit und jede Menge Spielwitz bzw. Humor mitbringt.

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© Foto: Leszek Solarski // Dawid Kozlowski

 Freuen Sie sich mit uns zusammen auf das Kirchstettner Comeback eines beliebten jungen Künstlers, der ganz sicher auch zur Freude unseres geschätzten Publikums eine komplett neue und atypische Don Pasquale-Interpretation – fernab von jeglichen Rollenklischees, eingerosteten Traditionen und festgefahrenen Erwartungshaltungen – verkörpern und abliefern wird!

(Cs.N.)

 

IN MEMORIAM… UND KLASSIK-DISCO (TEIL 3) Mittwoch, Nov 11 2015 

Portrait Lucia Popp © Opera News

Portrait Lucia Popp © Opera News

Warum neigen wir Menschen dazu, große und bedeutende Künstlerpersönlichkeiten vergangener Tage immer nur dann gebührend und von medialem Interesse begleitet, zu feiern, wenn sie irgendein rundes Jubiläum begehen – sei es nun ein posthumer Geburtstag oder ein Todestag? Nun liebe Leserinnen und Leser, sie haben es richtig erkannt: Dieser Blogeintrag vom KlassikFestival Schloss Kirchstetten handelt diesmal ausnahmsweise nicht von bestimmten festivalrelevanten Angelegenheiten oder programmatischen Ankündigungen, sondern wir widmen uns dem Andenken einer großartigen Künstlerin und einer der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts, der vielzu früh verstorbenen österreichischen und bayerischen Kammersängerin, Lucia Popp, deren Geburtstag (12. November 1939), sowie auch Todestag (16. November 1993) diese Tage wiederkehren…

Von einer blanken Aufzählung div. Lebens- und Lexikaldaten der Sängerin möchte ich Sie sehr gerne verschonen, da es sowieso ein fantastisches, umfangreiches und mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltetes Erinnerungsbuch unter dem Titel Lucia von Dr. Ursula Tamussino [Anm. Barylli Verlag, Wien] gibt, welches nichts an seiner Aktualität, Qualität und seinem Anspruch  – trotz der vergangenen Jahre seit seiner Erstveröffentlichung 1999 – eingebüßt hat!

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 Das einstige Wundertier – so nannte spontan die verblüffte und gleichermaßen faszinierte Ks. Elisabeth Schwarzkopf ihre jüngere Kollegin bei einer ersten Begegnung im Zuge der Aufnahmesitzungen der als mittlerweile legendär geltenden »Die Zauberflöte«-Gesamtaufnahme (EMI / Warner) unter dem Dirigat von Otto Klemperer – galt als stets stilsichere Alleskönnnerin ihrer Generation.

© EMI /Warner Classics

© EMI /Warner Classics

Es gab kaum ein Genre (Epoche), in welchem sich Lucia Popp während ihrer Karriere nicht mit Erfolg ausprobiert hätte: sie war nicht nur eine erstklassige Opern– und Operettensängerin, nein, sie war überdies auch eine der gefragtesten Interpretinnen des Fachs Lied– und Oratorium innerhalb ihrer künstlerischen Generation.

(Dass sie vor ihrem Gesangsstudium Schauspiel studierte, kam ihr nicht nur in ihren ersten Filmrollen als Schauspielerin der damaligen Tschechoslowakei zugute, sondern auch später als gefeierte Opern- und Operettendiva, denn sie wirkte auch in zahlreichen Opern- und Operettenverfilmungen mit.)

Worin liegt das Geheimnis Lucia Popps, dass sie nicht nur als vom Publikum heute noch heißgeliebte, verehrte herausragende Opern- und Konzertsängerin des 20. Jahrhunderts in Erinnerung geblieben ist, sondern sogar auch als hochgeschätztes Vorbild neuerer bzw. gegenwärtiger Sopran-Generationen gilt? (Wie oft hört man etwa in Vorsingen oder persönlichen Gesprächen mit jungen Sängerinnen, dass Lucia Popp nach wie vor zu ihren größten und wichtigsten Vorbildern gehöre, obwohl Popp selbst nie einen übertriebenen Starkult und den damit verbundenen und unerträglichen Hype bzw. PR-Hysterie mancher gegenwärtigen Stars und Sternchens benötigte, um zu den Besten ihrer Generation zu gehören: der Name Lucia Popp galt schon immer als Garant und Markenzeichen für einzigartige und künstlerisch herausragende Interpretationen.)

Sind es neben ihrer angeborenen Stimmschönheit, ihren technisch perfekten vokalen Fähigkeiten, ihrem Charme bzw. Esprit, sowie ihrem schauspielerischen Talent auch jene Attribute wie beispielsweise ihre Natürlichkeit, Wärme und ihr Ausdruck – fernab von jeglichen antiquierten, klebrig-süßen zuckerwatte-rosaroten Manirismen und Unehrlichkeiten (!) div. zahlreicher Fachkolleginnen, die Lucia Popps Interpretationen auch heute noch so dermaßen glaubwürdig, frisch, zeitgemäß und ergreifend erscheinen lassen?

Lucia Popps Stimme verfügte aber neben den o.a. Attributen auch über ein sehr persönliches (silbriges) Timbre voller Wiederkennungseffekt. Eine Gabe, eine Fähigkeit, die man nicht erwerben oder erlernen kann. Wie ihre Biografin Dr. Ursula Tamussino dies stets zu betonen weiß:

»Man braucht nur das Radio aufzudrehen und wenn man es im Vorfeld nicht wußte, wer da gerade singen würde, erkennt man Lucias jubelnde und strahlende Stimme trotzdem gleich nach dem ersten Ton!«

Dass Lucia Popp während ihrer Karriere mindestens zweimal das Fach komplett und erfolgreich gewechselt hat, gilt ja in Opernkreisen als Allgemeingut: die frühen 60er bis 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts standen im Zeichen ihrer Interpretationen aus dem Fach eines Lyrischen- bzw. Bravourkoloratursoprans. In dieser Zeit hat sie auch einige wichtige Fachpartien einer Koloratursoubrette und eines Spielsoprans erfolgreich verkörpert. Ab den frühen 80ern widmete sie sich immer mehr den großen Fachpartien eines Lyrischen Soprans. Zu diesem Repertoire fügte sie dann sukzessive ab Mitte der 80er Jahre auch einige bedeutende Rollen eines Jugendlich-dramatischen Soprans hinzu und galt stets als weltweit gefragte Interpretin insbesondere der großen Mozart und. R. Strauss-Rollen.

Am Anfang dieser beispiellosen Karriere stand ja Mozarts Sternflammende Königin, ein Prüfstein für einen jeden Koloratursopran und am Ende stand – nach den goßen Erfolgen im jugendlich-dramatischen Fach – ebenfalls eine weitere fordernde, dramatisch-virtuose und komplexe Mozart-Partie: Vitellia aus »La clemenza di Tito«

An dieser Stelle lassen Sie uns mal bei Lucia Popps Schicksalspartie der Königin der Nacht bleiben und die Sängerin selbst dazu zitieren:

 »Die Königin der Nacht zu singen, das ist nicht wie ein Gang auf dem Seil, sondern wie ein Tanz auf dem Seil. Ich vermute, darum ist die Opernwelt voll von Sängerinnen, die diese Partie auf der Kostümprobe bringen, aber nicht am Abend der Aufführung selbst. Ich bewundere wirklich jene, die diese Rolle länger als zehn Jahre in ihrem Repertoire halten können.«

[Anm. Helena Matheopoulos, DIVA – Leben und Rollen großer Opernsängerinnen, Edition Musik & Theater / M&T Verlag]

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Worin unterscheidet sich Lucia Popps Königin der Nacht-Interpretation von ihren großartigen und zeitgleich aktiven Kolleginnen in dieser Rolle? Während man etwa in der Interpretation von Karola Ágai eine dämonisch-majestätische, geheimnisumwobene überirdische Erscheinung samt blitzsauberem Koloraturfeuerwerk erleben konnte, wartete die holländische Sopranistin Cristina Deutekom mit einem metallischeren, volleren Klang und einer keinen Widerspruch duldenden Attitüde auf. Ihre Textbehandlung war ganz ausgezeichnet. Allein wie sie das Wort »Sarastro« in der Rachearie ihrer Pamina entgegenschleudert, klingt wie ein Dolchstoß! Einer wahren und alles verwüstenden Vulkaneruption kam hingegen Edda Mosers Interpretation der Sternflammenden Königin gleich und sie eröffnete dadurch komplett neue Interpretationswege dieser Partie, die sonst leider viel zu oft den leichtstimmigen und substanzarmen Kanarienvögeln namens Koloratursoubretten zum Opfer fiel bzw. auch heute noch oftmals zum Opfer fällt…

Lucia Popp zeigt uns in der bereits erwähnten Gesamtaufnahme unter der Leitung von Otto Klemperer (EMI / Warner) eine jugendlich frische, lebendige Königin der Nacht! Sie ist kein Dämon oder hysterische Furie im klassischen Sinne, sondern eine junge (alleinerziehende?) Mutter, die um jeden Preis und verzweifelt um ihre Ideale zu kämpfen versucht, auch wenn diese falsch sein mögen… Diese nicht nur virtuose und funkelnde, sondern auch ehrliche Rolleninterpretation öffnete Lucia Popp auch die Türen der großen internationalen Opernhäuser. So gab sie 1967 in einer von Marc Chagall ausgestatteten Neuproduktion von »Die Zauberflöte« ihr Hausdebüt an der New Yorker MET.

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Lucia Popp als Königin der Nacht (New Yorker MET / Ausstattung: Marc Chagall)

Nach ihrem gelungenen Fachwechsel kehrte sie 1981 erneut an die MET zurück, um in der Derniere der besagten Produktion nun die Partie der Pamina zu verkörpern.

Eine facetten- und erfolgreiche Karriere, viele Gesichter, zahlreiche Bühnencharaktere und eine vielzu früh verstummte Ausnahmestimme! Eine Stimme, die zum Glück zum Höhepunkt der LP und der anschliessend florierenden CD-Ära sehr vielseitig und zahlreich dokumentiert wurde. Viele dieser Aufnahmen sind entweder gegenwärtig noch auf Tonträger erhältlich oder dank dem Internetportal YouTube online einsehbar, um Lucia Popps künstlerisches Vermächtnis auch der Gegenwart näher zu bringen.

Lucia Popp fand ihre letzte Ruhestätte am Friedhof Slávičie údolie (dt. Tal der Nachtigall) in Bratislava.

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Am Endes dieses Blogeintrags möchte ich nun erneut Mozart, aus seinem Singspiel »Zaide« zitieren: »Ruhe sanft…«

Ruhe in Frieden, Lucia!

(Cs.N.)

Pech im Spiel, Glück in der Liebe… Sonntag, Jul 6 2014 

Quelle: Badische LandesBibliothek

Wenn Rolf Liebermann, der weltberühmte Schweizer Komponist und Intendant, während seiner aktiven Zeit als Opernintendant mehrfach in Bezug auf die teilweise schmalspurig und einfalls- bzw. mutlos angelegte Repertoiregestaltung zahlreicher Opernhäuser und Festivals Europas, von den sog. »ABC-Opern« (Anm. G. Verdi, Aida; G. Puccini, La Bohème und G. Bizet, Carmen) und Gassenhauern des Kernrepertoires vermutlich ein wenig schmunzelnd und zugleich auch ironisch zu sprechen pflegte, stellt sich nun die legitime Frage, ob man das Liebermann’sche ABC doch nicht um ein D wie Don Giovanni erweitern sollte…(?)

In der Tat zählt W.A. Mozarts Dramma giocoso (UA: Prag, 1787) bzw. viel mehr Opera buffa laut Eigendefinition des Komponisten auch gegenwärtig zu den meistgespielten und erfolgreichsten Musiktheaterstücken der Opernliteratur. Die weltweite Opern-Datenbank Operabase.com verzeichnet allein im Kalenderjahr 2014 von Almaty bis Würzburg 445 verschiedene Aufführungen von 78 Produktionen in 71 Städten. Diese Riege an unterschiedlichen Aufführungen und Interpretationen soll nun diesen Sommer auch um eine aktuelle Neuproduktion bei uns im Schloss Kirchstetten ergänzt werden.

Warum ausgerechnet Don Giovanni hier und jetzt?- könnte die Frage lauten…

In der 16-jährigen Geschichte und dem bisherigen Opernrepertoire des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten spielten u.a. auch die Meisterwerke Mozarts immer wieder eine tragende Rolle:  Auf Wunsch des Intendanten und der musikalischen Leitung des Festivals soll nun die 15. Opernpremiere des Kleinsten Opernhauses Österreichs einen besonderen Meilenstein und zugleich auch Wendepunkt darstellen: Die Neuproduktion des Mozart’schen Geniestreichs soll nun als würdiger Abschluss der bisherigen Kirchstettner Opernpraxis und Spielplangestaltung fungieren, ehe man in der Festivalsaison Sommer 2015 mit einem komplett neuen künstlerischen Konzept und einzigartigem Opern-Schwerpunkt innerhalb des deutschen Sprachraums beginnen wird. Denn ab dem Sommer 2015 heisst es nämlichKirchstetten goes Belcanto. Diese neue Ära soll dann mit einem über mehrere Sommer geplanten Donizetti-Zyklus starten…

Wenn innerhalb des da Ponte Zyklus’Le nozze di Figaro das Stück mit der raffiniert-verspieltesten und vielschichtigsten Fabel und Così fan tutte, das Stück mit den herrlichsten Ensembles sein soll, gebührt Don Giovanni vermutlich das subjektive Prädikat: Die Oper der schönsten und berühmtesten Arien, welche durch burleske Szenen (Recitativos) und Zufälle (?)lose miteinander verbunden sind.

Die vom künstlerischen Leitungsteam gewählte Kirchstettner Aufführungsfassung orientiert sich nun weitestgehend an der sog. Prager Fassung bzw. Erstfassung des Werks, welche durch ihre Struktur und Kohäsion der einzelnen geschlossenen Nummern – insbesondere im zweiten Akt – unseren Vorstellungen bzw. Erwartungen in jeglicher Hinsicht mehr entpricht als die spätere und ergänzte Wiener Fassung (EA: 1788).

Die ursprüngliche spanische Don Juan-Sage aus dem 17. Jahrhundert oder der Archetypus eines keine Grenzen kennenden und akzeptierenden, hemmungslosen Frauenhelden und Glücksritters:

Woraus besteht das ungebrochene Faszinosum und Interesse an dieser Gestalt und deren Nach- bzw. Auswirkungen, welche seit Jahrhunderten die unterschiedlichsten Künstler aus den Bereichen Musik/Tanzmusik (Ch.W. Gluck, L. Boccherini, V. Righini, G. Gazzaniga, W.A. Mozart u.v.a.), Literatur (T. de Molina, A. de Claramonte, J.-B. Molière, C. Goldoni, Ö. von Horváth, M. Frisch usw.), und bildende Künste, sowie auch der Ästhetik und Analyse vielfach beschäftigt? Vielzitierte und stets wiederholte Thesen eines E.T.A Hoffmann, eines Stendhal oder vielmehr eines S. Kierkegaard, welche trotz grundlegender Fakten und Erkenntnissen, dennoch keine vollständige, befriedigende und zeitgemäße Analyse dieser Oper aller Opern liefern können… Kann man das eigentlich überhaupt? Ist es überhaupt möglich, eine umfassende, zeitgemäße und nachvollziehbare szenische Interpretation samt vorausgehender Analyse dieses Stücks zu erarbeiten? Woraus besteht der eigentliche Mythos oder das Geheimnis dieses unverwüstlichen Operngassenhauers, seiner besonderen Qualität und des unstillbaren Reizes für Kunstschaffende und Publikum?

Etwa das permanente Wechselspiel zwischen den obligat anzusehenden musikalischen Stilelementen einer Opera buffa (dt. komische Oper) und einer Opera seria (dt. »ernste« bzw. tragische [ital.] Oper). Der scheinbar spontane und wahllose Einsatz div. Charaktere und charakteristischer Elemente durch den Komponisten bzw. dessen Librettisten, die weder der Opera buffa, noch der Opera seria oder etwa sogar der etwas früheren Commedia dell’arte stilistisch und eindeutig zuzuordnen sind. Es lässt sich, trotz vieler aufgeworfenerFragen, festhalten, dass Mozart anstelle eines ungeordneten und unüberschaubaren Konglomerats, ein Meisterwerk erschaffen hat, welches trotz seiner heterogenen Struktur eine fabelhafte künstlerische Einheit darstellt.

Den Charakter des Don Giovanni lediglich auf einen sexsüchtigen, unersättlichen, egomanischen Exzentriker zu reduzieren erscheint mir als oberflächlich, überholt und auch eindimensional. Dieser lang als gültig anzusehende Interpretationsansatz führt unweigerlich in eine szenisch-dramaturgische Sackgasse. Don Giovanni, der Archetyp eines genuinen Dramma giocoso-[Anti-]Helden, welcher im großen Stil eines magisch anziehenden, faszinierenden und zugleich auch abstossenden und manipulierenden Puppenspielers seine Puppen und deren Bezugspersonen, ohne Rücksicht auf etwaige persönliche Verluste, tanzen lässt… Er beherrscht sein Handwerk mit einer atemberaubenden und spielerischen, gar verspielten [it. giocare = spielen; it. giocoso = lebhaft, scherzhaft und spaßhaft] Souveränität. Es vermag sich niemand seiner Wirkung zu entziehen. Don Giovanni spielt mit Donna Anna, dem Symbol der ungeschminkten Gegenwart, Donna Elvira, dem Symbol der lästigen Vergangenheit und Vergänglichkeit, sowie auch mit Zerlina, dem Symbol für eine weitere zukünftige kurzweilige Begegnung. Spätestens seit der verhängnisvollen Begegnung mit Donna Anna und dem abschliessenden ungeplanten Mord am Komtur, gilt für ihn nicht mehr: Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Seine Handlungen und seine weiteren Spiele und Späße werden zwar zunächst noch von Glück(?) begleitet…aber die Würfel sind bereits gefallen… Eine irreversible Abwärtsspirale dreht sich immer schneller und erzeugt einen derartigen Sog, dem sich keine(r) der Mitwirkenden zu entziehen vermag. Das Spiel geht weiter.

Sind also die drei verschiedenen Frauencharaktere der Schlüssel zu Don Giovanni? »Cherchez la femme!« – ist also ein Prinzip, mit welchem man bei unserer Kirchstettner Produktion mit wachsamen Augen dabei bleiben sollte.

Vielleicht schaffen wir es dadurch, dem ursprünglichen Liebermann’schenOpern-ABC ein eindeutiges, legitimes und spannendes D wie Don Giovanni hinzuzufügen.

 (CSN)

Don Giovanni – Auf dem Weg zur Aufführung Sonntag, Mrz 30 2014 

Eine Oper ist das perfekte Zusammenspiel von Musik und Darstellung. Das fertige Produkt ist immer ein beeindruckendes Meisterwerk, das einen für ein paar Stunden in eine fremde Welt aus Liebe, Intrige, Rache und meist auch Tot führt.

Doch bis es zu diesem Meisterwerk kommt, ist es ein langer Weg. Deswegen möchten wir Ihnen in diesem Beitrag einen kleinen Ablauf um die Produktion „Don Giovanni“ im kleinsten Opernhaus in Österreich vorstellen.

Der Anfang

Gleich nach dem Ende der letzten Vorstellung von „Rigoletto“ im Sommer 2013 ging es an die Planung für die Saison 2014. Das Stück wurde bereits im Jahr davor fixiert.

Was passiert bei dieser Planung?

Budget wird aufgeteilt, Festlegung der Rollen, Ausschreibung für das Vorsingen, Saalplan, Bühnenaufbau und natürlich der Zeitplan für das Jahr 2013/14.

Das Vorsingen

Einen Monat vor dem Vorsingtermin kommt es zur Ausschreibung, der zu besetzenden Rollen. Dabei werden die Arien (hier sollen die gleiche Voraussetzungen für alle gelten), Spielalter und andere Vorgaben bekanntgeben.

Natürlich freuen wir uns in jedem Jahr über die zahlreichen und beeindruckenden Bewerbungen. Doch leider muss hier schon im Vorfeld eine Auswahl getroffen werden, denn ansonsten sitzt das künstlerische Team mindestens eine Woche. 😉

Nach einem Wochenende voller unterschiedlicher Don Giovanni-Arien-Interpretation geht es in die Entscheidung.  Hier rauchen die Köpfe und es müssen schwere Entscheidungen getroffen werden.

Ein neues Jahr

Die Rollen sind fixiert, die Sänger und Sängerinnen benachrichtigt, jetzt folgt die weitere Planung. Striche werden gemacht, Masse für die Kostüme angefordert und das Bühnenbild wird immer genauer.

Das Festival-Programm muss gemacht werden. Das Programm bietet einen Überblick über die Konzerthighlights im Juli und natürlich die Oper. Die Besucher erfahren zudem, wie sie an Karten kommen und welche Abo-Optionen es gibt.

Aktueller Stand

Die Sänger und Sängerinnen sind bereits am Lernen der Partien. Die Kostümbildnerin ist schon fleißig am Nähen und Besorgen der Kostüme. Musik und Inszenierung wurden schon unzählige Mal im Kopf durchgespielt.

Was steht also als nächstes an?

Im Mai folgt die erste Orchesterprobe. Schon jetzt stimmt sich das Ensemble mit dem künstlerischen Team ab.

Dann steht der Vorfreude für den Probenstart nichts mehr im Weg.

(ed)