Probenstart für Don Giovanni Montag, Jun 30 2014 

Am 30.Juni 2014 ging es los! Um 10:00 Uhr kam der Klavierstimmer und die Requisiten und Bühnenelemente wurden angeliefert.

Requisiten

Am Nachmittag kamen weitere Requisiten und Utensilien für die Proben. Hier ein Eindruck des „kleinen“ Requisitentisches:

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Unsere fleißige Regieassistentin konnte mit Hilfe eines Gentlemans aus unserem Ensemble schlussendlich die Bühne aufkleben.

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Auch unser Dirigent war bereits eifrig bei der Arbeit und hat seinen Arbeitsplatz bzw. seine Arbeitsplätze eingerichtet.

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Und hier sind sie: Unsere Sängerinnen und Sänger für die Produktion „Don Giovanni“.

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Das waren die Eindrücke des ersten Tages. Wir haben noch vier spannende Wochen vor uns und dürfen Ihnen noch weitere Eindrücke präsentieren. Also immer unseren Blog im Auge behalten. 😉

 (ED)

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Skelette im Schrank Sonntag, Jun 1 2014 

Draußen ist Hochsommer, es surren die Insekten, es trillern die Vögel, Sonnenstrahlen brennen, „wir“ beeilen uns in Richtung Schloss, um in seinen Gemäuern schattige Kühle zu finden und „wir“ sind wieder da! Die Kleider und ich, um die Oper im Schloss Kirchstetten auszustaffieren.

Es ist sehr interessant, im kleinsten Opernhaus von Österreich zu arbeiten. Ich mag die Nähe zum Publikum, das meine Arbeit bis in kleinste Detail begutachten kann. Es ist eine Herausforderung, die ich gern annehme. Der Fest-Maulbertsch-Saal ist ein Barock Saal mit wunderschönen Freskos, die mit ihrer Farbigkeit die Auswahlmöglichkeiten an Farbe und Muster der Opernkostüme merklich reduzieren. Die Kostüme werden nicht nur passend zu den Charakteren der Protagonisten gewählt, sondern auch passend zum Saal. Man ist wirklich frei in der Auswahl der Epoche, in diesem Fall könnte man wirklich surreale Ideen verwirklichen.Ich habe in “ Le Nozze di Figaro“ ein romantisches Altrosa als Leitmotiv plus Weiss und die 50er-Jahre als Zeit des Geschehens gewählt. Für „Rigoletto“ brauchte ich eine eher dunklere Farbe, weil die Geschichte sehr traurig ist, und ich habe mich für Burgunderrot, für Grau der grauen Masse der Höflinge und Schwarz für das ganze Schloss entschieden. Dieses Jahr möchte ich ein wenig mehr spielerisch sein und… ihr werdet schon sehen 😉

Wenn man die Farbe und die Epoche hat, hat die Arbeit gerade angefangen. Man braucht die Kleider oder die Stoffe, um sie zu nähen.
In 18. Jahrhundert war das Opernkostüm fast wichtiger als die Oper selbst, man wollte sich zeigen und mittels sehr reicher Kostüme darstellen, wie viel Geld man investiert hatte. Die damaligen Sängerinnen konnten mit ihren Kostümen sogar die Mode beeinflussen, gerade wie die Filmstars späterer Zeiten. Heutzutage ist man eher minimalistisch eingestellt, aus modischen, vielleicht auch aus ökonomischen Gründen. Das Budget von kleinen Opernhäusern ist eben nicht sehr groß und man muss mit viel mehr Fantasie arbeiten. Man begibt sich auf Schatzsuche: die Kleider sind der Schatz, den es zu finden gilt. Normalerweise besucht man Brockenhäuser, Secondhand-Läden, Flohmärkte und den Fundus von Opernhäusern und Theatern. Man stöbert in alten Truhen und Schränken von Großmüttern und Großtanten, bis man findet, was man sich in den Kopf gesetzt hat oder ein „Skelett“. Jeder hat „Skelette“ im Schrank, das ist doch klar, aber nur wenige haben die, nach welchen ich suche… „Skelette“ sind für mich die fast fertigen Kleider oder Requisiten, welche perfekt passen, wenn man sich die Mühe gibt, etwas zu ändern. Es gibt Objekte, die so einmalig sind, dass die ganzen Kostümkonzepte beeinträchtigen können. Es ist nicht immer das Modell des Kleides, es kann auch eine besondere Farbe sein oder auch nur eine Stickerei, welche so fantastisch ist, dass man denkt: nur „die“ will ich haben und keine andere! Es ist wie Liebe auf den ersten Blick… Dann kauft man das „Stück“ und man beginnt zu ändern. So einen Fall hatte ich mit dem Kostüm von“ Marcellina“ in „Le Nozze di Figaro“. Das Kleid hatte die perfekte Farbe und Grösse, war aber leider ein Modell aus den 80er-Jahren, weshalb ich es danach in ein Modell der 50er umgewandelt habe.
Die Änderungen sind nicht gerade meine Leidenschaft, weil ich eher froh bin, wenn die Kostüme wirklich aus der ausgesuchten Epoche stammen. Andernfalls wird das „Skelett“ zur Schneiderin weitergeleitet, um als Bühnen-Kostüm zu neuem Leben erweckt zu werden.

Man sollte nie vergessen, dass die Kostüme von Menschen und nicht von Puppen getragen werden. Wenn der Sänger in seinem Kostüm nicht bequem ist, kann er sich in seiner Rolle nicht entfalten. Man versucht die Bequemlichkeit und die Ästhetik auszugleichen. Und manchmal muss die Ästhetik gewinnen!

(GB)