Opernwein Verkostung Sonntag, Jul 13 2014 

Was wie Spaß aussieht, ist bitterer Ernst und die Entscheidung ist gar nicht so leicht. Jedes Jahr gibt es einen besonderen Wein, der einer strengen  Begutachtung unterzogen wird.

Auch dieses Jahr war es wieder eine schwere Entscheidung. Sie waren alle wirklich sehr sehr gut!

2014_07_02_Opernweinverkostung (2)

Weingut Woditschka aus Herrnbaumgarten, Weingut Hirtl aus Poysdorf, Weingut Bayer und Luckner aus Falkenstein präsentieren ihren besten Weinkreationen.

Unsere Helfer und Ehrengäste waren natürlich sehr genau bei der Entscheidung:

2014_07_02_Opernweinverkostung (5)

2014_07_02_Opernweinverkostung (4)

2014_07_02_Opernweinverkostung (3)

2014_07_02_Opernweinverkostung (6)

Und der Sieger ist …… Weingut Woditschka aus Herrnbaumgarten mit einem Sauvignon Blanc

2014_07_02_Opernweinverkostung (1)

Ab jetzt natürlich bei unseren Konzerten und den Opern-Aufführungen erhältlich.

2014_07_02_Opernweinverkostung (7)

Zu späterer Stunde wurde natürlich nicht nur verkostet, sondern auch getrunken. 😉

2014_07_02_Opernweinverkostung (8)

(ED)

 

 

Advertisements

Pech im Spiel, Glück in der Liebe… Sonntag, Jul 6 2014 

Quelle: Badische LandesBibliothek

Wenn Rolf Liebermann, der weltberühmte Schweizer Komponist und Intendant, während seiner aktiven Zeit als Opernintendant mehrfach in Bezug auf die teilweise schmalspurig und einfalls- bzw. mutlos angelegte Repertoiregestaltung zahlreicher Opernhäuser und Festivals Europas, von den sog. »ABC-Opern« (Anm. G. Verdi, Aida; G. Puccini, La Bohème und G. Bizet, Carmen) und Gassenhauern des Kernrepertoires vermutlich ein wenig schmunzelnd und zugleich auch ironisch zu sprechen pflegte, stellt sich nun die legitime Frage, ob man das Liebermann’sche ABC doch nicht um ein D wie Don Giovanni erweitern sollte…(?)

In der Tat zählt W.A. Mozarts Dramma giocoso (UA: Prag, 1787) bzw. viel mehr Opera buffa laut Eigendefinition des Komponisten auch gegenwärtig zu den meistgespielten und erfolgreichsten Musiktheaterstücken der Opernliteratur. Die weltweite Opern-Datenbank Operabase.com verzeichnet allein im Kalenderjahr 2014 von Almaty bis Würzburg 445 verschiedene Aufführungen von 78 Produktionen in 71 Städten. Diese Riege an unterschiedlichen Aufführungen und Interpretationen soll nun diesen Sommer auch um eine aktuelle Neuproduktion bei uns im Schloss Kirchstetten ergänzt werden.

Warum ausgerechnet Don Giovanni hier und jetzt?- könnte die Frage lauten…

In der 16-jährigen Geschichte und dem bisherigen Opernrepertoire des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten spielten u.a. auch die Meisterwerke Mozarts immer wieder eine tragende Rolle:  Auf Wunsch des Intendanten und der musikalischen Leitung des Festivals soll nun die 15. Opernpremiere des Kleinsten Opernhauses Österreichs einen besonderen Meilenstein und zugleich auch Wendepunkt darstellen: Die Neuproduktion des Mozart’schen Geniestreichs soll nun als würdiger Abschluss der bisherigen Kirchstettner Opernpraxis und Spielplangestaltung fungieren, ehe man in der Festivalsaison Sommer 2015 mit einem komplett neuen künstlerischen Konzept und einzigartigem Opern-Schwerpunkt innerhalb des deutschen Sprachraums beginnen wird. Denn ab dem Sommer 2015 heisst es nämlichKirchstetten goes Belcanto. Diese neue Ära soll dann mit einem über mehrere Sommer geplanten Donizetti-Zyklus starten…

Wenn innerhalb des da Ponte Zyklus’Le nozze di Figaro das Stück mit der raffiniert-verspieltesten und vielschichtigsten Fabel und Così fan tutte, das Stück mit den herrlichsten Ensembles sein soll, gebührt Don Giovanni vermutlich das subjektive Prädikat: Die Oper der schönsten und berühmtesten Arien, welche durch burleske Szenen (Recitativos) und Zufälle (?)lose miteinander verbunden sind.

Die vom künstlerischen Leitungsteam gewählte Kirchstettner Aufführungsfassung orientiert sich nun weitestgehend an der sog. Prager Fassung bzw. Erstfassung des Werks, welche durch ihre Struktur und Kohäsion der einzelnen geschlossenen Nummern – insbesondere im zweiten Akt – unseren Vorstellungen bzw. Erwartungen in jeglicher Hinsicht mehr entpricht als die spätere und ergänzte Wiener Fassung (EA: 1788).

Die ursprüngliche spanische Don Juan-Sage aus dem 17. Jahrhundert oder der Archetypus eines keine Grenzen kennenden und akzeptierenden, hemmungslosen Frauenhelden und Glücksritters:

Woraus besteht das ungebrochene Faszinosum und Interesse an dieser Gestalt und deren Nach- bzw. Auswirkungen, welche seit Jahrhunderten die unterschiedlichsten Künstler aus den Bereichen Musik/Tanzmusik (Ch.W. Gluck, L. Boccherini, V. Righini, G. Gazzaniga, W.A. Mozart u.v.a.), Literatur (T. de Molina, A. de Claramonte, J.-B. Molière, C. Goldoni, Ö. von Horváth, M. Frisch usw.), und bildende Künste, sowie auch der Ästhetik und Analyse vielfach beschäftigt? Vielzitierte und stets wiederholte Thesen eines E.T.A Hoffmann, eines Stendhal oder vielmehr eines S. Kierkegaard, welche trotz grundlegender Fakten und Erkenntnissen, dennoch keine vollständige, befriedigende und zeitgemäße Analyse dieser Oper aller Opern liefern können… Kann man das eigentlich überhaupt? Ist es überhaupt möglich, eine umfassende, zeitgemäße und nachvollziehbare szenische Interpretation samt vorausgehender Analyse dieses Stücks zu erarbeiten? Woraus besteht der eigentliche Mythos oder das Geheimnis dieses unverwüstlichen Operngassenhauers, seiner besonderen Qualität und des unstillbaren Reizes für Kunstschaffende und Publikum?

Etwa das permanente Wechselspiel zwischen den obligat anzusehenden musikalischen Stilelementen einer Opera buffa (dt. komische Oper) und einer Opera seria (dt. »ernste« bzw. tragische [ital.] Oper). Der scheinbar spontane und wahllose Einsatz div. Charaktere und charakteristischer Elemente durch den Komponisten bzw. dessen Librettisten, die weder der Opera buffa, noch der Opera seria oder etwa sogar der etwas früheren Commedia dell’arte stilistisch und eindeutig zuzuordnen sind. Es lässt sich, trotz vieler aufgeworfenerFragen, festhalten, dass Mozart anstelle eines ungeordneten und unüberschaubaren Konglomerats, ein Meisterwerk erschaffen hat, welches trotz seiner heterogenen Struktur eine fabelhafte künstlerische Einheit darstellt.

Den Charakter des Don Giovanni lediglich auf einen sexsüchtigen, unersättlichen, egomanischen Exzentriker zu reduzieren erscheint mir als oberflächlich, überholt und auch eindimensional. Dieser lang als gültig anzusehende Interpretationsansatz führt unweigerlich in eine szenisch-dramaturgische Sackgasse. Don Giovanni, der Archetyp eines genuinen Dramma giocoso-[Anti-]Helden, welcher im großen Stil eines magisch anziehenden, faszinierenden und zugleich auch abstossenden und manipulierenden Puppenspielers seine Puppen und deren Bezugspersonen, ohne Rücksicht auf etwaige persönliche Verluste, tanzen lässt… Er beherrscht sein Handwerk mit einer atemberaubenden und spielerischen, gar verspielten [it. giocare = spielen; it. giocoso = lebhaft, scherzhaft und spaßhaft] Souveränität. Es vermag sich niemand seiner Wirkung zu entziehen. Don Giovanni spielt mit Donna Anna, dem Symbol der ungeschminkten Gegenwart, Donna Elvira, dem Symbol der lästigen Vergangenheit und Vergänglichkeit, sowie auch mit Zerlina, dem Symbol für eine weitere zukünftige kurzweilige Begegnung. Spätestens seit der verhängnisvollen Begegnung mit Donna Anna und dem abschliessenden ungeplanten Mord am Komtur, gilt für ihn nicht mehr: Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Seine Handlungen und seine weiteren Spiele und Späße werden zwar zunächst noch von Glück(?) begleitet…aber die Würfel sind bereits gefallen… Eine irreversible Abwärtsspirale dreht sich immer schneller und erzeugt einen derartigen Sog, dem sich keine(r) der Mitwirkenden zu entziehen vermag. Das Spiel geht weiter.

Sind also die drei verschiedenen Frauencharaktere der Schlüssel zu Don Giovanni? »Cherchez la femme!« – ist also ein Prinzip, mit welchem man bei unserer Kirchstettner Produktion mit wachsamen Augen dabei bleiben sollte.

Vielleicht schaffen wir es dadurch, dem ursprünglichen Liebermann’schenOpern-ABC ein eindeutiges, legitimes und spannendes D wie Don Giovanni hinzuzufügen.

 (CSN)