Die Partie der Adina

Die Partie der Adina scheint – insbesondere in Bezug auf ihre Rezeptionsgeschichte und Aufführungspraxis – zweifelsohne eine gewisse Sonderstellung zu genießen. Eine Partie, die 4 durch ihre Komposition durchaus als eine hybride Partie anzusehen ist. Sie lässt sich in keinerlei Schubladen stecken, denn sie gilt – bedauerlicherweise – etwa für Bravourkoloratursoprane oftmals als »zu wenig bravourös und brillant, somit wenig attraktiv«… Primär lyrische Soprane scheinen oft jedoch mit den kurzen, dennoch schwierigen Koloraturpassagen und der gesamten Tessitura dieser Partie ein gewisses Problem zu haben. Während helle, zarte und bewegliche Soubretten-Stimmen in puncto Volumen lediglich über eine mangelnde Rollenauthentizität, begrenzte vokale Ausdrucksmöglichkeiten und Farben verfügen können…

Warum hat ausgerechnet diese Partie durch die vergangenen Jahrhunderte musikalisch so gut wie keinerlei Aufwertungen, Veränderungen und gravierende bzw. virtuose Ergänzungen wie beispielsweise die exemplarische Titelpartie der »Lucia di Lammermoor« erfahren? Dass beinahe sämtliche Adina-Interpretinnen auch heute noch – entgegen der gängigen Aufführungspraxis der Belcantoopern – lediglich das zu singen pflegen, was die Partitur Donizettis enthält, bleibt wohl Adinas Geheimnis…[?]

Einzig die offizielle Diskografie des Werks weist zwei bedeutende und seltene Ausnahmen auf, die man in Bezug auf diese Partie musikalischer Natur feststellen kann: Die australische Sopranistin Dame Joan Sutherland sang unter der Leitung ihres Gatten Richard Bonynge, in der Gesamtaufnahme von »L’elisir d’amore« [Anm.: Plattenlabel: DECCA] jenen Koloraturwalzer, welcher vermutlich von Donizetti für die große Belcantosängerin Maria Malibran nachträglich als Einlagearie der Adina komponiert worden war. Einen zweiten und späteren Versuch startete auch die italienische Koloraturmezzosopranistin Cecilia Bartoli, diese Arie auf ihrem Album »Hommage à Maria Malibran« [Anm.: Plattenlabel: DECCA] wieder ins Repertoire zurückzubringen bzw. wiederzubeleben… Beide Interpretationen zählen zwar zweifelsohne zu den interessanten Höhepunkten der Donizetti-Diskografie, aber die besagte Einlagearie hat es bislang – auch mangelns an entsprechendem Notenmaterial – dennoch nicht geschafft, in die Rezeptionsgeschichte und reguläre Aufführungspraxis des Werks nachhaltig Einzug zu halten…

Ist also Adina sowohl in musikalischer, als auch in darstellerischer Hinsicht als eine Art Stiefkind des großen Komponisten anzusehen? Ja, sie ist es, denn es ist nicht leicht, den primär komplexen Donizetti’schen Anforderungen ohne ein spektakuläres und sonst obligatorisches Koloraturfeuerwerk zu entsprechen und zugleich auch eine Sängerin zu finden, die in der Lage ist, den heterogenen Ansprüchen dieser Partie in vollen Zügen gerecht zu werden. Es mag zwar Adina ein Stiefkind, eine schwierige Tochter Donizettis sein, aber wir freuen uns sehr, nun eine Sängerin für die Partie engagiert zu haben, die diesen Ansprüchen in ihrer Gesamtheit in höchstem Maß entsprechen kann.

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In diesem Sinne freut es uns aber sehr, Ihnen sehr verehrtes Opernpublikum des KlassikFestivals Schloss Kirchstetten, bald eine tolle, junge und internationale gesamte Besetzung offiziell präsentieren zu können, die u.a. nicht nur über einen hervorragenden und stilsicheren Nemorino, einen herben, spielfreudigen Dulcamara in bester Buffomanier und einen charismatischen Belcore, sondern auch über eine erstklassige, charmante Adina und eine quicklebendige, freche Giannetta verfügen wird!

(CSN)

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